Aktuelle Position vom 11.08.2012

Wir sind wieder da!!!

Ein letztes Mal: Hallo alle zusammen,

mit einiger Verspätung – uns fehlten noch ein paar Fotos – melden wir uns nun endgültig zurück. Ja wir sind wieder zu Hause. Am Sonnabend, d. 25.8. sind wir genau 50 Wochen nach unserem Start wieder in Greifswald angekommen. Von Helgoland aus sind wir  – wie schon angekündigt – nun doch wieder durch den NOK in die Ostsee gefahren, haben am Darßer Ort noch einen Tag vor Anker verbracht, da die Einfahrt in den Nothafen inzwischen völlig versandet ist, einen weiteren Zwischenhalt in Barhöft eingelegt und sind abschließend noch für drei Tage in Lauterbach im Greifswalder Bodden gewesen. Dort haben wir das Schiff ordentlich aufgeklart, allesgründlich sauber gemacht und unseren ganzen Trödel zusammengepackt. Wir konnten alles in Ruhe erledigen, da von der Familie gewünscht wurde, möglichst am Wochenende im Heimathafen einzulaufen, weil unter der Woche niemand Zeit hätte, uns abzuholen. Natürlich haben wir geahnt, dass die Abholung durch Kathi und Janosch nicht der einzige Grund für diesen Terminwunsch war, aber was sich dann in der Marina Wilke abgespielt hat, das haben wir wirklich nicht erwartet.

Unsere Ankunft in der Marina Wilke

Fast alle unsere Freunde waren da, die WIKING stand festlich geflaggt an der Pier und das erste was wir gesehen haben war ein Begrüßungsfeuerwerk. 

Sektdusche – wir sind doch nicht bei der Formel Eins!

Dann gab es einen Riesenjubel mit lauten Hallo, Getute, Sektdusche und Gesang. Das Begrüßungslied der gesamten Begrüßungsmannschaft

 und die Ansprache von Kati und Janosch

 haben uns wirklich fast zu Tränen gerührt. Ganz besonders gefreut haben wir uns darüber, dass Janosch seinen Sohn, unser Enkelchen Enno mitgebracht hatte. Der Kleine hat sich in dem einen Jahr wirklich prächtig heraus gemacht.

Enno amüsiert sich mit Papierschlangen

Die Willkommensparty hat bis weit in den Abend gedauert und auch am nächsten Morgen waren die meisten noch zum Frühstück da. Es war ein perfekter Abschluss unserer wunderbaren Reise und wir sind allen, allen für diesen schönen Empfang unendlich dankbar.

Tausend Dank an alle, die uns in Greifswald begrüßt und die unglaubliche Party organisiert haben und natürlich auch an alle, die uns während unserer Reise mit Kommentaren im Blog und Mails immer wieder daran erinnert haben, dass man zu Hause an uns denkt und uns in Gedanken auf unserer Reise begleitet

 

Inzwischen sind wir seit fast zwei Wochen wieder in Berlin und das Chaos, das wir mit dem Inhalt unseres Bootes hier angerichtet hatten, ist auch so gut wie beseitigt. Chrissi ist seit vergangenem Montag wieder im Büro und so ganz langsam kehrt der Alltag ein. Aber schon jetzt zeigt sich, dass wir noch sehr lange von dieser Reise zehren werden.          Wir wollen uns bemühen, einen kleinen Bildervortrag noch in diesem Jahr zusammen-zubasteln und irgendwann, wenn`s draußen stürmt und schneit zu einer, oder besser mehreren kleinen Parties einladen. Wir versprechen, dass die Dauer des Vortrages im Rahmen bleibt.

 Bis dahin seid alle ganz herzlich gegrüßt von den glücklichen Heimkehrern

 Bantu und Chrissi

…. alles ganz anders

erstens kommt es anders und zweitens als man denkt… Dieser blöde Spruch trifft auch manchmal wirklich zu. Die Pechhexe hat uns nun doch noch erwischt. Eine Stunde nachdem wir auf Fur den letzten Artikel in den Blog gesetzt hatten, haben wir das erste Mal zufällig gehört, dass eine der Brücken in Aalborg einen Schaden hat und nicht geöffnet werden kann. Die ersten Aussagen waren, dass die Reparatur bis Montag, d. 13.8. oder ein paar Tage länger dauern kann. Damit wären wir auf unserer geplanten Route über das Kattegat und Kopenhagen immer noch rechtzeitig in Greifswald gewesen. Am Sonnabend in Nibe hat sich dann aber heraus gestellt, dass die Arbeiten mindestens bis zum 25.8. dauern würden. Damit war unsere Planung hinfällig. Eine Weile haben wir noch darüber nachgedacht, den Mast zu legen, haben den Gedanken dann aber wegen zu vieler Unwägbarkeiten verworfen und schweren Herzens beschlossen, zurück zur Nordsee und über den Nord-Ostsee-Kanal Richtung Heimat zu fahren – über 200 sm Umweg.

Wir sind inzwischen auf Helgoland  – nach genau 11 Monaten wieder in Deutschland – und wollen morgen früh weiter nach Brunsbüttel, dem Eingang zum NOK. Wenn uns das Wetter nicht noch einen Strich durch die Rechnung macht und auch sonst nichts passiert –vielleicht ist ja im NOK ein Schiff untergegangen und der ist auch gesperrt – dann können wir immer noch pünktlich ankommen. Leider muss Chrissi nun doch auf demselben Weg nach Hause fahren und aus einem Treffen mit Rolf und Mette wird nun auch nichts. Aber so ist das mit den Planungen beim Segeln.

Das übliche Päckchenliegen auf Helgoland

So kennt man Helgoland, den „Fuselfelsen“

Ihr seht, es nicht mehr weit bis nach Hause!

Ansonsten ist aber alles o.k. und wir sind immer noch guter Dinge.

Liebe Grüße und bis bald

Chrissi und Bantu

 

Heimweg mit Umweg

Liebe Freunde, hier vermutlich nun der letzte Blogeintrag vor unserer Rückkehr. Wir sind weiter auf dem Heimweg, allerdings nach längerer Diskussion nun doch mit einem Umweg über den Limfjord.

Dass wir auf der Kanalinsel Guernsey waren, haben wir ja schon kurz gemeldet. Wir haben uns dort 4 Tage Aufenthalt gegönnt und die Insel wandernderweise und mit dem Fahrrad erkundet. Wetter war gut und wir haben diese wunderschöne Insel sehr genossen.

Bucht an der Südküste von Guernsey

Zwei der sagenhaften Guernsey-Kühe (viel und fette Milch)

Weiter gings dann um das Cape De La Hague mit Blick auf die berühmte Wiederaufbereitungsanlage nach Cherbourg. Natürlich haben wir die Gezeitenströmung genutzt, die dort oben ziemlich heftig ist und konnten dadurch mit z. T. über 11kn, bei 5-6kn Fahrt durchs Wasser um das Kap sausen.

Ohne Worte

Da wir für den 26.7. mit unseren letzten Gästen dieser Reise, mit Uwe und Claudia in Le Havre verabredet waren, hatten wir noch etwas Zeit und sind von Cherbourg nach Arromanches gefahren. Das ist ein kleiner Ort an der Südküste der Normandie, an der im Juni 1944 die Landung der alliierten stattgefunden hat. Vor Arromanches ist ein künstlicher Hafen errichtet worden, von dem die Reste noch zu sehen sind. Wir haben seit Langem mal wieder vor Anker gelegen und mussten wegen der Ebbe das Dinghy einige 100 m über das Watt tragen.

Solveigh bei Ebbe vor Anker

Natürlich ist der Ort geprägt von Gedenkstätten und Museen, aber alles sehr interessant und informativ.

Es ist schon ein eigenartiges Gefühl auf diese Küste friedlich und bei schönstem Wetter zuzusegeln im Bewusstsein, dass vor 68 Jahren auf genau diesem Weg tausende Soldaten die letzten Stunden ihres Lebens verbracht haben…..

Da man an den Kanalküsten eigentlich immer die Strömungen berücksichtigen mussten, haben wir den Törn bis Le Havre über Nacht absolviert und waren pünktlich zur Verabredung mit Uwe und Claudia dort. Le Havre war ist im Krieg besonders stark zerstört worden, was dazu geführt hat, dass man einen großen Teil der Stadt völlig neu aufgebaut hat. Federführend dabei war der Architekt Auguste Perret, der auch der „Poet des Beton“ genannt wurde. Man muss zugeben, dass er aus diesem Werkstoff, vor allem im Detail, einiges gezaubert hat, aber es bleibt doch eine nach heutiger Vorstellung eine ziemlich einförmige Architektur Herausragend ist ein riesiger Kirchturm, der von außen eher an einen Leuchtturm erinnert und in dem auch im Innenraum nicht so recht das Gefühl, in einer Kirche zu sein, aufkommen will.

Betonkirche von Le Havre

Mit Uwe und Claudia sind wir von dort weiter an der französischen Kanalküste entlang über Fécamp, Boulogne, und Dünkirchen bis nach Vlissingen an der Westerschelde gekommen. Die beiden sind dort wieder abgestiegen und ich hoffe, es hat ihnen gefallen.

Uwe nimmt unserem Windpeter die Arbeit weg

Abschied in Vlissingen

Bei uns an Bord ging die oben angedeutete die Diskussion darüber los, auf welchem Weg wir nun nach Hause fahren. Ich wäre gerne weiter gebummelt, hätte mir vielleicht noch Amsterdam angesehen und auf den west- und ostfriesischen Inseln und auf Helgoland ausgedehnte Spaziergänge und Radtouren gemacht und die ostfriesische Gelassenheit und Teezeremonie genossen. Chrissi ihrerseits wollte auf keinen Fall auf demselben Weg, also Nord-Ostsee-Kanal zurück fahren und hatte auch keine Lust zum Bummeln. Wer die Diskussion für sich entschieden hat, seht ihr daran, dass wir jetzt im Limfjord sind. Also nichts mit Bummeln, sondern zwei größere Sprünge, der erste mit 140sm nach Vlieland und der zweite mit 230sm über die Nordsee bis Thyboroen, wobei der Zwischenstopp auf Vlieland auch nur ein Zugeständnis von Chrissi war. Na, wie auch immer, für den restlichen Heimweg bleibt uns immer noch so viel Zeit, dass wir zumindest nicht hetzen müssen. Die Familie kann uns nicht vor dem 25.8. abholen und damit haben wir noch ein paar Tage länger.

Moderne Kirche von Thyborön

Der Limfjord ist ein herrliches Segelrevier, das schon sehr an unsere Boddengewässer erinnert. Man könnte auch hier einige Wochen zubringen ohne sich zu langweilen. Wir sind im Moment auf der kleinen Insel Fur und haben gerade festgestellt, dass wir gestern die 13.000 sm-Marke geknackt haben und dass heute der 333. Tag unserer Reise ist. Darauf gibts heute Abend einen extra Schluck.

Das letzte Stück haben wir jetzt durch den Öresund und über Kopenhagen geplant, wo wir hoffen, Rolf und Mette noch zu treffen. Und dann ist es ja wirklich nur noch ein Katzensprung.

Drückt uns auch für die letzten Meilen die Daumen und wir freuen uns doch jetzt schon sehr auf ein Wiedersehen zu Hause.

Ganz liebe Grüße an Euch alle.

Chrissi und Bantu

 

Nachtrag zur Atlantikrücküberquerung

Chrissi hat es doch sehr kurz gehalten und deshalb hier noch mal ein Auszug aus unserem Tagebuch:

Bantu schreibt: Habe gestern 23 Uhr (13.07.) meine Wache angetreten und seit dem auf die Kreuzung mit unserer Kurslinie der Hinfahrt. gelauert wie ein Schießhund. Wetter war gut, Sternenhimmel und 5-6 Windstärken. Habe zeitweilig den Eindruck, dass wir ein Reff im Groß vertragen könnten, stelle aber dann fest, dass der Windmesser meist nicht wesentlich über 15 kn anzeigt und lasse alles so. Schiff fährt mit 6 bis 9 kn wie Schmitts Katze. Um 00:48 ist es dann so weit: ca. 113 sm südlich der Scilly Islands und ca. 102 sm westlich von Brest kreuzen wir unsere alte Kurslinie. An diesem Punkt waren wir schon einmal vor 282 Tagen am 06.10.2011 gegen 10 Uhr mit Südkurs Richtung La Corunha. Damit ist die Umrundung des Nordatlantik vollzogen, obwohl wir vermutlich erst heute Abend wieder Europäisches Festland betreten werden. Ich bin glücklich und nehme spontan einen Schluck aus der Rumbuddel. Damals war ich mir gar nicht so sicher, ob und wie wir das schaffen werden.

Ja und inzwischen sind wir schon wieder ein  Stück weiter. Ein guter Westwind hat uns sehr schnell nach Guernsey gebracht

Solveigh im gemütlichen Hafen von St. Peter Port  – Guernsey

und hier wollen wir ein paar Tage die Insel zu Fuß und mit dem Fahrrad erkunden. Dann geht es weiter Richtung Osten – diesmal an der französischen Küste und wir hoffen, dass uns die westlichen Winde erhalten bleiben.

Liebe Grüße von den Kanalseglern Chrissi und Bantu

 

Europa hat uns wieder

Nur ganz kurz für alle, die uns noch die Treue halten und nicht wissen, wo sich die Solveigh z.Z. befindet: Wir sind angekommen und zwar am Sonnabend, dem 14.07. waren wir um 20:30 h in der Marina Moulin Blanc in Brest fest und haben für die letzte Etappe – gut 1200 sm – genau 10 Tage und eine Stunde gebraucht. Die Überfahrt war unspektakulär,

Der einzige schöne Sonnenuntergang in zehn Tagen

ein kleines Highlight war die Kreuzung unserer Route von der Hinfahrt, der Passage über die Biskaya, unserer allerersten größeren Herausforderung auf dieser Reise.

Hier kreuzen wir unsere Route – so sah das auf dem Bildschirm im OpenCPN aus

Heute hat Ulli seine Heimreise angetreten und nun sind wir nach langer Zeit mal wieder zu Zweit.

Ankunft in Brest – unsere T-Shirts vom Vermessungsbüro

Von Brest berichten wir demnächst, morgen geht es erstmal weiter nach Guernsey, einer der englischen Kanalinseln.

Ganz liebe Grüße in die nun gar nicht mehr ferne Heimat senden Chrissi und Bantu.

Schiffsmeldungen – unterwegs nach Frankreich

12. Juli 2012:

hier unsere Position von heute 12:00 UTC: 47 31 N; 11 49 W. Wir stehen also knapp 300 sm vor Brest und haben damit etwa dreiviertel der Strecke von den Azoren nach Kontinentaleuropa geschafft. Die Windverhaeltnisse haben sich verbessert, wir haben seit vorgestern erst noerdlichen, spaeter westlichen Wind, letzte Nacht sogar bis zu 30 kn entspr. 7 Bft. Wir fahren mit gerefftem Gross und ausgebaumt F III annaehernd Zielkurs. Wenn sich die Wettervorhersagen bestaetigen, koennten wir Sonnabend Abend in Brest sein. Wir melden uns. Ansonsten ist nach wie vor alles an Bord o.k.

Herzliche Gruesse an alle

Chrissi, Bantu uns Ulli.

8. Juli 2012:

unsere aktuelle Position von heute, Sonntag, d. 08.07.2012 12:00 UTC = Bordzeit ist: 43 grd 47 N; 23 grd 20 W und wir haben damit gut 1/4 unseres Weges nach Europa geschafft.

Wir sind wie geplant am 04.07. abends halb acht von Terceira, Praia da Vitoria, Pos. 38 grd 44 N; 27 grd 03 W gestartet und haben uns wie erwartet die ersten zwei Tage mit schwachem Gegenwind geplagt. Dann hat der Wind zwar aufgefrischt, kam aber immer noch noerdlich. Seit heute nacht haben wir NNW 3-4 und konnten das erste mal die Schoten etwas schricken. Wir haben beschlossen Brest in Frankreich anzusteuern, erstens kommen wir da vermutlich am bequemsten hin, zweitens kennen wir es noch nicht, drittens kommt Ulli von dort am Besten nach Berlin. Ansonsten ist hier alles wohlauf.

Liebe Gruesse an alle,

Chrissi, Bantu und Ulli

Abschied von den wunderschönen Azoreninseln

Unsere Zeit auf den Azoren läuft nun auch ab. Heute, 04.07. Nachmittag wollen wir zu unserem letzten Trip über den großen Atlantik in Richtung Europa starten. Unser Ziel ist Südirland, oder Südwestengland. Der Wetterbericht sagt zwar moderaten Wind voraus aber aus nördlichen Richtungen, also wieder mal gegenan. Das sprichwörtliche Azorenhoch ist zwar da, liegt aber nordwestlich der Inseln Wir hoffen, weiter nördlich dann doch endlich auf westliche Winde zu treffen. Die Strecke, die vor uns liegt beträgt etwa 1200 sm, wir rechnen mit mindestens 11 Tagen, wenn alles gut geht.

Die Azoren waren wirklich sehr beeindruckend, wenngleich wir nur 3 der 9 Inseln besucht haben. Von Flores sind wir 26.06. weiter gesegelt nach Horta auf Faial. Es war mal ein traumhafter Segeltag mit Backstagsbriese von 5 Bft und Sonne

So ist der Käpt´n zufrieden

und Sternen ohne Ende, bei Tagestemperaturen von 28°C. Der Hafen von Horta ist der Haupttreffpunkt der Azoren-Segler und hat die berühmte vollständig mit Seglergrafitties bemalte Hafenmole.

Inzwischen ist nicht nur die Mole bemalt, sondern alles rund um den Hafen, was aus Beton ist. (außer den Gebäuden). Wir haben einige bekannten Namen entdeckt, so z.B. „Walroß III“ und „-IV“ vom ASV Berlin. Natürlich haben wir uns auch selbst verewigt, es soll immerhin Glück bringen.

Wir haben auf Faial eine durch einen Vulkanausbruch 1957/58 entstandenen Halbinsel besichtigt, und waren beeindruckt, welche Unmengen an Gestein und Lava die Erde so aus sich herauswürgen kann. Von einem Leuchtturm, der an der Steilküste stand, hat es damals die untere Etage des umgebenden Gebäudes komplett verschüttet. Man hat ihn wieder hergerichtet, aber außer Funktion genommen, weil nun die neue Halbinsel seewärts liegt.

Er ist integriert in ein recht beeindruckendes größtenteils unterirdisch angelegtes Informationszentrum. Die Landschaft der Insel ist insgesamt wildromantisch und man fährt durch hübsche gepflegte Ortschaften. Obwohl sich das Wetter deutlich gebessert hatte, waren die höheren Berge immer noch von Wolken verhangen, sodass wir keine weitere Tour unternommen haben. Dafür haben wir die beiden Halbfinalspiele Spanien-Portugal und Deutschland-Italien in der Hafenkneipe gesehen und mussten am Donnerstag den Jubel einiger enthusiastischer Italienfans „ertragen“. Gabi ist am 28.06. mit dem Flugzeug in Richtung Heimat gestartet und wir sind am Tag nach der Deutschland-Niederlage weiter 80 sm nach Praia da Vitoria auf Terceira gesegelt. Hier sind wir jetzt seid dem 30.06. Wir hatten die letzten Tage richtiges schönes Sommerwetter und waren zwei Tage mit dem Auto unterwegs. Das landschaftlich Beeindruckendste auf dieser Insel sind zwei Grotten, die natürlich, wie alles hier, vulkanischen Ursprungs sind. Die eine geht tief in die Erde hinein und ist geprägt durch riesige domartige Hohlräume und einem kleinen See auf dem Boden.

Die andere ist niedrig und lang gestreckt und man kann auf dem Boden und an den Wänden noch die Struktur der im Fließen erkalteten Lava erkennen.

An der Nordseite der Insel haben wir ein sehr schön in die Lavafelsen eingebautes Meeresschwimmbad entdeckt, in dem Chrissi sogar baden war.

Sehr schön war auch der Hauptort der Insel, Angra do Heroismo mit seiner vorgelagerten Halbinsel Monte Brasil, von der man einen traumhaften Blick auf die Stadt und die Küste hat. Hier haben wir auch tatsächlich eine der berühmten Touradas a Corda Veranstaltungen miterlebt. Das findet hier fast jeden Tag in einem anderen Ort auf einer anderen Straße statt und besteht darin, dass ein Stier an einem min. 100 m langen Tampen durch die Straße gejagt wird.

Alle Hauseingänge und Gartenpforten sind verbarrikadiert und die Leute sitzen und stehen zu Hunderten auf den Gartenmauern und Balkonen, um das Spektakel zu beobachten. Die jungen Männer laufen auf der Straße herum und reizen das Viech. Dieses wiederum stürzt hin und her, rennt den Männern nach, die sich mit gewagten Sprüngen retten, haut seine Hörner gerne auch mal in eine Verbarrikadierung und zerpflückt sie. Gottseidank sind seine Hörner mit Metallkappen entschärft, aber ich möchte trotzdem keine Bekanntschaft damit machen.

Der Tampen wird von zwei mal min. 5 Männern gehalten, die das Tier im Notfall zurück zerren können und die es am Ende der Straße wieder zum Umkehren bewegen. So geht das die Straße mehrfach hoch und runter. Ein Mordsgaudi für die Azoris, alles schreit und tobt durcheinander, aber uns hat das Tier doch etwas leid getan, obwohl es nach der Show wieder in seine Box kommt und nicht umgebracht wird.

So, nun haben wir gestern unser Schiff noch mal rundherum inspiziert, die üblichen Wartungsarbeiten erledigt, Wasser und Diesel getankt und eingekauft. Wir sind so gut es geht vorbereitet, gehen jetzt noch mal essen und wollen dann die Leinen los werfen. Leider fängt es gerade an zu regnen.

Blick auf Praia das Vitoria – von hier geht es heute los nach „richtig“ Europa

Drückt uns die Daumen, dass alles klar geht und denkt ab und zu mal an uns.

Wir melden uns wie immer mit kurzen Positions- und Situationsangaben von unterwegs und mit dem nächsten ausführlicheren Beitrag, wenn wir wieder Land unter den Füßen haben.

Viele liebe Grüße von Bord der SOLVEIGH

Chrissi, Bantu und Ulli.

 

Azoren erreicht

Ja, den größten Teil des Atlantiks haben wir hinter uns. Wir sind am Abend des 05.06. von Gloucester, MA

Abschied von Amerika – Der Hafen von Gloucester, MA in der Abendsonne

gestartet und waren am 22.06., kurz nach Mitternacht Ortszeit in einer kleinen beschaulichen Marina in Lajos, auf Flores, der westlichsten Azoreninsel fest und haben damit ca. 2/3 des Weges nach dem geografischen Europa geschafft.

Wir haben für die 1810 sm exakt 16 Tage und 5 Std. incl. Zeitverschiebung gebraucht, das entspricht einem Schnitt von 4,6 kn. Der Atlantik hat es uns auf diesem Abschnitt unserer Rückreise nicht leicht gemacht. Nachdem der Wind vor der Amerikanischen Küste abgeflaut hatte, war dann auch gleich wieder alles vorbei.

Flaute auf dem Atlantik

Die ersten drei Tage ging es bei sehr schwachen Winden nur langsam voran, teilweise mussten wir, um nicht mit dem Strom zurück zu treiben, den Motor zur Hilfe nehmen und hatten auch immer wieder Nebel.

Fischerboot und Nebel

Was danach kam, war nicht viel besser. Insgesamt konnten wir vier bis fünf Tage bei handigem Wind Zielkurs fahren, der Rest war Flaute oder gegenan, am vorletzten Tag dann auch noch mal mit 7 Bft., in Böen sogar 8. Von den in diesem Gebiet angeblich vorherrschenden Westwinden haben wir jedenfalls nicht viel gemerkt. Unser Schiff hat uns trotzdem wieder treu und brav zum Ziel gebracht, obwohl es manchmal so in die Seen gekracht ist, dass ich dachte, es muss jetzt gleich auseinander fallen. Aber nun sind wir hier und haben gestern und heute ein paar kleinere Reparaturen erledigt und die Insel per Mietauto erkundet. Sie ist wunderschön, obwohl das Wetter sehr durchwachsen war und wir beispielsweise die sicher recht spektakulären Kraterseen wegen Nebels leider nicht sehen konnten.

Felsige Südküste von Flores

Morgen (25.06.) Vormittag wollen wir weiter nach Horta auf Fajal segeln. Die Wetterprognose ist günstig, sodass wir denken, die 130 sm bis dahin innerhalb von 24 Std. zu schaffen. In der ersten Juliwoche soll dann der letzte „großen Sprung“ starten. Unser Ziel ist Südwestirland oder –england, evtl. auch Brest in Frankreich.
Ich denke, die nächste Meldung gibt’s kurz vor dem Start zur nächsten größeren Etappe.

Wir grüßen alle, die uns trotz unserer seltenen Berichte die Treue halten und auch alle anderen zu Hause. Ein Wiedersehen ist nun in greifbare Nähe gerückt. Wir haben ein lachendes und ein weinendes Auge, sind doch schon ein wenig traurig, dass sich unsere wunderbare Reise dem Ende nähert.

Seid alle ganz herzlich gegrüßt von den heute sonnigen Azoren

Bantu, Chrissi, Gabi und Uli

Schiffsmeldungen – Unterwegs zu den Azoren

16. Juni 2012:

Pos. 17.06.2012, 15:00 UTC, 17:00 MESZ, 13:00 Bordzeit (haben die Uhren gerade wieder eine Stunde vorgestellt)
So Stück fuer Stück kämpfen wir uns vorwärts und erfreuen uns an dem Erreichen von Zwischenzielen. Gestern haben Bantu und ich 10.000 gesegelte (auch motorte) sm auf dieser Reise erreicht. Heute können wir uns über 2/3 der Strecke zu den Azoren freuen. Gestern war auch ein Supersegeltag, wir sind viele Stunden bei halbem Wind von 16-18 kn in einer Geschwindigkeit von dauerhaft 7 bis 8 kn. nur so dahingeglitten. Dazu schien auch noch die Sonne und die Stimmung an Bord war bestens. Heute geht es wieder etwas geruhsamer zu, nur 5 bis 6 kn. und der Wetterbericht droht auch schon wieder Schwachwind an. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen.
Viele Gruesse vom z.Zt. friedlichen und leicht bewölktem Nordatlantik senden
Chrissi, Bantu, Gabi und Uli

13. Juni 2012:

unsere aktuelle Position am 13.06., 13 Uhr UTC: 40°06,1 N; 52°12,4 W. Es geht wiedermal etwas mühsam voran. Seit eineinhalb Tagen müssen wir gegenan kreuzen, letzte Nacht auch noch bei ziemlich viel Wind. Wir hoffen, dass der Wind in den nächsten Stunden auf südliche Richtungen dreht, sodass wir wieder Zielkurs fahren können.
Nach derzeitigem Stand der Dinge werden wir frühestens am 21.6. in Flores landen.
Ansonsten an Bord alles wohlauf.
Liebe Grüsse an alle
Gabi, Chrissi, Ulli und Bantu

09. Juni 2012:

Unsere Reise begann am Dienstag abend, 20:30 in Gloucester. In der ersten Nacht hatten wir noch angenehmenen Wind, 5-8 kn, zum Angewöhnen. Dann wurde es weniger und wir haben uns 3 Tage durch eine Flaute gequält. Teilweise, vor allem nachts auch mit heftigem Nebel. Und auf der Georges Bank sind zahlreiche Fischer unterwegs, oft auch ohne AIS-Signal. Aber es gab keine ernsten Probleme. Seit gestern abend 08.06. 21:00 ist der Wind da und bläst mit 16-18 kn, in Böen auch über 20 kn. aus SSW und es geht mit 7 – 8 kn. flott voran.
Unsere Position 09.06. 12:00 Ortszeit, 16:00 UTC, 18:00 MESZ: 41 29,4 N; 62 57,1 W.
Ansonsten alle an Bord z.Zt. etwas müde aber guter Dinge.
Liebe Grüsse nach Hause
Chrissi, Bantu, Gabi und Uli

Kurz vor dem Absprung Richtung Europa

Hallo alle zusammen, diesmal etwas in Kurzform der versprochene Artikel vor dem Start zu den Azoren.Wir sitzen heute, am Sonntag, d. 03.06. zu viert mit Gabi und Uli bei laufender Heizung an Bord und versuchen mühsam unter Deck unsere Klamotten zu trocknen, denn seit gestern regnet es. Außerdem heult der Wind im Rigg, es ist ein bisschen wie in Lagos/Portugal, als wir zu den Kanaren aufbrechen wollten. Wir warten auch jetzt wieder auf ein Wetterfenster. Im Moment ziehen zwei Tiefdruckgebiete hintereinander südlich von uns durch, d.h. sie bescheren uns an ihrer Nordseite kräftige östliche Winde, also aus der Richtung, in die wir wollen. Wie es im Moment aussieht können wir am Dienstag mit Besserung rechnen und dann soll`s los gehen.

In New York ist alles planmäßig verlaufen. Nachdem Annette und Günter abgereist waren sind wir wieder nach Great Kills gefahren und haben das Boot an Land geholt.

Hoch und Trocken in der Mansion Marina

Die Mansion Marina ist zwar etwas herunter gekommen und hatte nur eine Toilette und keine Dusche, aber dafür konnten wir an unserem Schiff selbst Hand anlegen und man hat uns Strom und alle Werkzeuge großzügig zur Verfügung gestellt. Das Schiff hat nun einen neuen Unterwasseranstrich, leider kein Jotun und der Farbton ist auch etwas grell, aber was soll´s, wir sind jetzt doch wieder merklich schneller geworden.

Mit neuem Anstrich wieder zu Wasser

Uli und Gabi kamen pünktlich an und sind eine Stunde, nachdem wir mit Aufräumen fertig waren, an Bord gestiegen.

Geschafft aber glücklich in Amerika

Sie haben am nächsten Tag noch N.Y.C. einen kurzen Besuch abgestattet und am 19.5. haben wir in Richtung Long Island Sound abgelegt. Manhattan hat sich bei unserer 4. Vorbeifahrt von seiner besten Seite gezeigt mit Sonnenschein und Strömung von achtern.

Gabi, Uli, Ms. Liberty und Manhattan

Erstes Ziel im L.I.Sound war ein kleiner Hafen in Connecticut mit Namen Rowayton, wo wir ein Seglerpärchen besucht haben, das wir am Cape May kennen gelernt hatten.Sie haben zwei jeweils vierjährige Weltumseglungen hinter sich und hatten uns zu sich nach Hause eingeladen.

Nette Runde in Rowazton mit den Weltumseglern Kitty und Scott, hinten links im Schattennd

Das Boot der zweiten Weltumseglung im Five-Mile-River, dem Hafen von Rowayton

Grundsätzlich hat sich der L.I. Sound nicht sehr freundlich gezeigt, wir mussten entweder kreuzen oder wegen Windmangels motoren.  Von Rowayton nordwärts kam dann auch noch schlechte Sicht und Nebel dazu.Newport Rhode Island haben wir z. B. fast nur im Nebel gesehen.

Hier wurde übrigens einige Mal der Americas Cup ausgetragen und in diesem Jahr beginnt am 26.06. der Louis Vitton Cup. Dann ist der Nebel hoffentlich weg. Leider konnten wir nicht so lange warten.

Um das Cape Cod abzuschneiden sind wir durch die Buzzards Bay und den Cape Cod Canal nach Provincetown an der Innenseite von Cape Cod gefahren Ein hübsches kleines Städtchen, an dem 1620 die „Mayflower“ mit den ersten Puritanern gelandet ist, zu deren Gedenken man einen riesigen Turm, das Pilgrim Monument errichtet hat.

Wir hatten wieder einmal schönes Wetter und in den Straßen herrschte am Sonntag Nachmittag ein buntes Treiben, das traditionell von Schwulen und Lesben dominiert wird, alles sehr schön, sehr lustig und auch ein bisschen amerikanisch.

Die nächste Station war Boston. Die Skyline war schon von Weitem zu sehen und wir hatten deshalb ähnliche Erwartungen, wie bei der Ankunft in New York. War aber dann doch weit gefehlt. Boston ist wirklich mehr als eine Nummer bescheidener als N.Y. Wir haben einen Tag mit Ruth und Steve Rosenthal verbracht, die uns mit ihrem Auto durch die Stadt kutschiert haben. Beeindruckend waren das Gelände der Harvard University,

Wir mit John Havard, Gruender der Elite-Uni

ein Altstadtbezirk mit Namen Beacon Hill

und das älteste noch im Dienst stehende Segelkriegsschiff der Welt, die USS „Constitution“, 1797 vom Stapel gelaufen. Uli und Gabi haben am Abend noch ihren lang ersehnten Lobster gegessen

und dann waren wir durch mit Boston.

Von Boston aus wollten wir eigentlich 90 sm nach Portland, Maine segeln, weil wir von dort den kürzesten Sprung zu den Azoren gehabt hätten. Aber wieder einmal hat uns der Wind im Stich gelassen und wir haben kurzerhand beschlossen, anstatt 15 Std. Motorboot zu fahren nach Gloucester, MA einzulaufen.

Ja und hier sitzen wir nun und warten auf den richtigen Wind. Wir haben eingekauft, das Rigg inspiziert – war das Wetter noch schoen –

den Motor und die Windsteueranlage noch mal gecheckt, Wasser und Diesel gebunkert und Propan umgefüllt.

Wenn alles gut geht sind wir in ca. zwei Wochen auf den Azoren und melden uns von dort wieder. Positionsmeldungen zwischendurch gibt’s natürlich auch. Bis dahin seid alle ganz herzlich gegrüßt von

Gabi, Chrissi, Uli und Bantu